Standardisierendes IT-Anforderungsmanagement zur Integrierten Vorgangsbearbeitung (IVB)

Aus der kritischen Analyse der Situation im kommunalen E-Government, in der festgestellt wurde, dass

  • ein bereichsĂĽbergreifend einheitliches fachlich-inhaltliches Verständigungsmittel und Zielsystem fĂĽr den IT-Einsatz fehlt und
  • aktuelle Lösungsansätze, mit denen der Markt den Defiziten begegnet, zu kurz greifen,

ergab sich die Forderung nach einer neuen Kooperationskultur zur Schaffung integrierter Lösungen im Front- und Backoffice der Verwaltungen. Ziel muss die Schaffung einer effektiven (kommunalen) Informationsinfrastruktur nach standardisierten Anforderungen unter breiter Beteiligung des Marktes sein.

Unter kommunalen Informationsinfrastrukturen sind zu verstehen

  • Technologie / Infrastruktur: Entwicklung/Nutzung neuer Technologien und Technologiekomponenten sowie die Entwicklung/Nutzung neuer Infrastrukturen und Infrastrukturkomponenten[1].
  • Daten / Wissen: Entwicklung bzw. Optimierung elektronisch verfĂĽgbarer qualitätsgesicherter Datenbestände und deren Haltung sowie die Entwicklung bzw. Optimierung der Wissensgenerierung, -vorhaltung und -bereitstellung. Dies umfasst die VerfĂĽgbarkeit von Daten / Wissen ("Content"[2]) fĂĽr Verwaltungsaufgaben ebenso wie die Bereitstellung von Datenbeständen fĂĽr die Ă–ffentlichkeit ("Open Data") unabhängig von den jeweiligen Nutzungsbedingungen (Entgelte, Datenschutz etc.).
  • Regeln / Prozesse: Entwicklung und Durchsetzung von fachlichen und organisatorischen Regeln, Vereinbarungen und Vorschriften ebenso wie den Abbau solcher Regeln, die den Aufbau und die Nutzung von Informationsinfrastrukturen behindern oder einschränken. Auch geht es in diesem Bereich um Entwicklung und Umsetzung von fachlichen und organisatorischen Prozessen mit dem Ziel effektiver Informationsverarbeitung in der Vorgangsbearbeitung.
  • Standards: umfassende EinfĂĽhrung und Nutzung von unterschiedlichsten Standards. Während sich technologische Standards weitgehend durch Innovationsprozesse in Privatwirtschaft und Industrie durchsetzen, erfordern die Entwicklung und Nutzung von Datenaustauschstandards, von fachlichen (standardisierten) Anforderungen an IT-UnterstĂĽtzung oder von organisatorischen Referenzprozessen eine kooperative Steuerung durch die Beteiligten im E-Government-Prozess."

Die SAKD hat die Aufgabe, frei von Individual- und Partikularinteressen entsprechend ihrem gesetzgeberischen Auftrag entsprechende Kooperationen zwischen Verwaltungen, Software-Herstellern, Beratern, Standardisierern und Beförderern für die strategische und praktische Entwicklung einer effektiven, standardisierten (kommunalen) Informationsinfrastruktur herzustellen. Dazu gehört

  1. Aufbau und Betrieb eines Netzwerks zum IT-Anforderungsmanagement zur kooperativen Erstellung, Pflege und Nutzung von Blaupausen / Mustern fĂĽr die effektive IT-UnterstĂĽtzung von Verwaltungsleistungen
  2. Herstellung von Rechtskonformität und Verbindlichkeit zu den Blaupausen / Mustern
  3. Aufbau des E-Government-Gesamtsystems aus zentralen und dezentralen Komponenten der kommunalen Informationsinfrastruktur
    a. zum Vorgangs- und Dokumentenmanagement
    b. mit Informations- und Datendiensten
    c. aus integrierten Anwendungen
    d. mit integrierten Kundenportalen, Homepages
  4. Schaffung eines Demonstrationslabors und DurchfĂĽhrung von Schulungen, Workshops
  5. Veröffentlichung von Empfehlungen/Standards und Zertifizierung von Lösungen

Konkret werden gesetzeskonforme Blaupausen für eine Integrierte Vorgangsbearbeitung (IVB) zu Verwaltungsleistungen erarbeitet. Die Blaupausen umfassen fachlich-inhaltliche Anforderungen (organisations- und umsetzungsunabhängig) zu den Bereichen integriertes Vorgangs- und Dokumentenmanagement, Daten- und Informationsdienste und integrierte Online-Anwendungen (inkl. Formulare, Apps).
Dazu werden VPlan-Muster (Fachstandards) verwendet und fortgeschrieben. Die Ersterstellung erfolgt in fachlichen Individualprojekten (Piloten), die Fortschreibung im offenen Netzwerk VPlan-Transfer. Weitere gleichartige Anwendungsprojekte nutzen die Blaupausen, individualisieren diese organisatorisch und softwaretechnisch.

Aktuelle Vorhaben zur Umsetzung von Lösungen zur Integrierten Vorgangsbearbeitung sind

  • Baugenehmigungs- und Bauauskunftsverfahren
  • Elektronisches StraĂźenkataster (Widmung, Vermögensfeststellung/-bewertung, Instandhaltungsmanagement, Integration andere Kataster, INSPIRE)
  • Dokumentenmanagement im Landratsamt - WeiterfĂĽhrung der Projektergebnisse zu IVB-Fachstandards
  • Integriertes Informationsmanagement unter Nutzung des Fachstandards XPlanung
  • Datenaustausch Finanzamt-Kommune
  • Kommunaler Formulardienst (inkl. fortgeschrittene Formularanwendungen)
  • Online-Gewerbedienst

  • Weiterentwicklung BaK Amt24
  • OpenData-Portal

WeiterfĂĽhrende Informationen und Dokumente

[1] Bsp. Basiskomponenten der E-Gov-Plattform, zentrale GDI-Komponenten

[2] Bsp. Intelligente Formulare, einheitliche StraĂźen-, Hausnummern-, Adresskataster, zentrales Baulastenverzeichnis u.v.a.m.